Lehrveranstaltungen reflektieren: Das Logbuch für Lehrende

Wie können Lehr-Lern-Prozesse effizient reflektiert werden? Wer viel unterrichtet, dem bieten sich viele Eindrücke als Grundlage für Verbesserungen. Oftmals gehen die Vorsätze in der Fülle von Aufgaben und unterschiedlichen Veranstaltungen unter. Das Logbuch für Lehrende hilft weiter.

Informationsfülle

Als Lehrperson machen Sie zahlreiche Beobachtungen, die für die Begleitung des Gruppenprozesses und die Lernbegleitung Einzelner relevant sind. Meist stellen Sie auch unmittelbar fest, welche Teile der Veranstaltung gut gelingen und bei welchen Sie nachbessern müssen. In der Vielzahl der Veranstaltungen geht die Nachbearbeitung oftmals unter und bei einer wiederholten Durchführung können Sie nur noch einen Teil der Informationen abrufen.

Beobachtungen und Absprachen festhalten

Um der Informationsfülle zu begegnen habe ich mir angewöhnt mit einem Logbuch zu arbeiten (eine Vorlage finden Sie unten). In dieses Logbuch trage ich meine Beobachtungen ein, gegliedert in einzelne Abschnitte, die ich Ihnen im Folgenden vorstelle.

Allgemeine Angaben

Zu den allgemeinen Angaben zählen bei mir Datum, Zeit, Name der Lehrveranstaltung, Schwerpunkt(e) der Einheit, Anzahl Teilnehmende und gegebenenfalls der Name einer Referentin oder eines Referenten. Die allgemeinen Informationen helfen mir bei der Zuordnung, besonders bei mehrfacher Durchführung einer Lehrveranstaltung. Die Angaben trage ich im Vorfeld der Veranstaltung ein.

Notizen zum Verlauf

Planung ist das eine, Umsetzung das andere. Lehr-Lern-Prozesse sind nicht abschliessend planbar, weil zu viele Faktoren Einfluss darauf nehmen. Wenn Sie Planung und Umsetzung aber regelmässig reflektieren, hilft Ihnen das dabei, Planung und Umsetzung anzugleichen. Machen Sie sich Notizen über Abweichungen und notieren Sie sich mögliche Gründe hierfür.

Zeitliche Korrekturen und Anpassungen der Materialliste nehme ich meistens in der Verlaufsplanung direkt vor. Im Logbuch halte ich fest, wenn Methoden nicht optimal funktionieren, die Sozialformen nicht förderlich sind, einzelne Phasen der Rhythmisierung anders verlaufen als geplant oder Übergänge zwischen Teilen geglättet werden müssen. Das hilft mir bei der Ausgestaltung kommender Lehr-Lern-Prozesse und bei der Anpassung im Wiederholungsfall.

Absprachen mit der Gruppe und mit Einzelnen

Sie kennen das sicherlich: Die Frage, ob Sie nicht vielleicht noch dieses oder jenes machen könnten. Was schnell zugesagt ist, ist oftmals auch schnell wieder vergessen. Oder die Absprachen sammeln sich an so vielen Orten, dass der Überblick fehlt, mit wem was für wann vereinbart wurde.

Ich verschaffe mir Ordnung, indem ich Absprachen mit der Gruppe in meinem Logbuch notiere. So habe ich bei der Nachbereitung alle Informationen beisammen. Bei mir handelt es sich oftmals um Texte, Links oder andere Informationen, die ich zusätzlich noch zur Verfügung stellen will oder soll, um Anliegen betreffend der Folgeeinheit oder um Abklärungen, die ich noch treffen soll.

Absprachen mit Einzelnen trage ich nur dann ein, wenn es Absprachen sind, bei denen andere etwas erledigen wollen oder sollen. Das Logbuch hilft mir dabei, dass diese Absprachen nicht vergessen gehen. Wenn jemand ein Anliegen an mich hat, trage ich dieses in der Regel nicht ins Logbuch ein. Meistens bitte ich diejenige Person mir zur Erinnerung eine E-Mail zu schreiben und gegebenenfalls weitere Informationen zu ergänzen. Nur im Ausnahmefall trage ich solche Absprachen direkt in meine digitale Aufgabenverwaltung ein.

Beobachtungen zum Gruppenprozess

Vor allem bei Veranstaltungen, die sich über mehrere Anlässe erstrecken, wird die Gruppendynamik wichtig. Wie verhält sich die Gruppe? Wie arbeitsfähig ist sie? Welche „Themen“ sind aktuell? Gibt es Personen, die ausgegrenzt werden oder die die Gruppe dominieren?

Das Logbuch bewährt sich für mich als Entscheidungsgrundlage für Interventionen im Gruppenprozess: während der Lehrveranstaltung selbst oder bei der Planung der Folgeveranstaltungen. Besonders bei länger dauernden Kursen sind Notizen zu konkreten Beobachtungen hilfreich.

Beobachtungen zum Lernverhalten Einzelner

Auch dieser Bereiche ist vor allem relevant, wenn Ihre Veranstaltung sich nicht auf einen einzelnen Anlass beschränkt, sondern sich über mehrere Einheiten erstreckt. Auch wenn Sie für die Begleitung der Lernenden zuständig sind, können die hier gesammelten Beobachtungen hilfreich sein. Schliesslich ist dieser Bereich auch nützlich, wenn Sie für sich oder andere auswerten wollen, inwieweit überhaupt in Ihren Veranstaltungen gelernt wird.

Ich notiere mir konkrete Beobachtungen und dazugehörige Schlussfolgerungen/Fragen. Wirkt jemand gelangweilt oder abwesend? Scheint jemand besonders interessiert in einem Bereich? Verfügt jemand über Ressourcen, die in den weiteren Lehr-Lern-Prozess einbezogen werden können? Wirkt jemand über- oder unterfordert? Ist jemand häufig mit anderen Dingen beschäftigt? Konnten die angestrebten Kompetenzen erreicht werden? Meine Notizen helfen mir auch beim Entscheid, wann es angebracht ist, jemanden direkt auf meine Beobachtungen anzusprechen.

Feedback

Vielleicht arbeiten Sie in einer Institution mit standardisiertem Feedbacksystem. Das hilft bei der systematischen Evaluation. Mir persönlich hilft das unmittelbare Feedback im Rahmen der Lehrveranstaltung meist mehr. Ich bereite jeweils eine Evaluation im Vorfeld vor und passe diese je nach Verlauf an. Bei visuellen Evaluationen notiere ich in diesem Feld meine Interpretation des Ergebnisses. Bei einem mündlichen Feedback notiere ich mir Stichworte zu den Rückmeldungen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich sonst bereits wenige Tage später einen Grossteil der Rückmeldungen nicht mehr abrufen kann.

Weitere Überlegungen

All das, was nicht in die zuvor genannten Bereiche passt, trage ich hier ein. Bei mir handelt es sich oftmals um Unklarheiten betreffend Abwesenheit oder um die Ausrüstung/Ausstattung des Schulungsraums: Dinge, die fehlen oder verbraucht sind; Geräte, die überprüft werden müssen.

Lehrveranstaltungen nachbereiten

Für die Nachbereitung von Lehrveranstaltungen reserviere ich mir Zeit in meiner Agenda. Zwei bis drei Stunden benötige ich in der Regel für die Nachbereitung einer ganztägigen Lehrveranstaltung mit einem Lernzeitumfang von etwa 6 Stunden. Inbegriffen sind das Aufräumen/Einordnen, die Dokumentation im Lern-Managementsystem oder Ausbildungsblog, die Sichtung der Notizen, das Planen weiterer Schritte und das Bearbeiten der Absprachen. Aber auch, wenn mal keine Zeit für die Nachbereitung besteht, hilft das Logbuch bei der Vorbereitung im Wiederholungsfall.

Das Logbuch als Vorlage

Für den Fall, dass Sie ebenfalls mit dem Logbuch arbeiten wollen, finden sie hier meine Vorlage:

Passen Sie das Logbuch einfach nach Ihren Vorlieben an, probieren Sie aus und finden Sie Ihre Form der Reflexion. Ich habe das Logbuch anfänglich handschriftlich ausgefüllt und in Ordnern abgelegt. Später bin ich dazu übergegangen, die ausgefüllten Bögen zu digitalisieren. Derzeit bewährt sich für mich ein digitales Ausfüllen der Vorlage. Mein Tablet leistet dabei gute Dienste.

Vorschläge und Erfahrungen

Vermissen Sie Bereiche im Logbuch? Haben Sie Vorschläge für Anpassungen oder eigene Vorlagen? Ich freue mich auf Ihren Kommentar und bin gespannt, welche Erfahrungen Sie beim Ausprobieren machen.

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